DPP-Software und Lieferantenzertifizierungen
Welche DPP-Software eignet sich für Lieferantenzertifizierungen?
Wie du Daten und Nachweisprozesse vor der Tool-Anbindung klärst und bei der Auswahl von DPP-Software die Kontrolle behältst.
Für Lieferantenzertifizierungen würde ich eine DPP-Software auswählen, mit der dein Unternehmen Nachweise eindeutig zuordnen, Änderungen nachvollziehen und die Weitergabe selbst steuern kann. Welche Plattform das für dich am besten abbildet, lässt sich erst beurteilen, wenn der eigene Ablauf klar ist.
Deshalb würde ich vor der ersten Demo einen vorhandenen Nachweis anschauen. Wo kommt er her? Für welche Teile gilt er? Wer hat ihn geprüft? Wenn diese Fragen offenbleiben, fehlen dir auch die Kriterien, mit denen du ein Angebot bewerten kannst.
Erst verstehen, was deine Daten aussagen
Nehmen wir als fiktives Beispiel einen Lieferanten mit mehreren Standorten. Der Einkauf hat ein aktuelles Zertifikat hinterlegt. Die Produktdatenbank verknüpft alle Teile dieses Lieferanten damit. Das Zertifikat gilt allerdings nur für einen Standort.
Ein neues Tool kann diese Verknüpfung übernehmen. Der Import läuft durch, alle vorgesehenen Felder sind gefüllt. Die fachliche Zuordnung ist trotzdem für einen Teil der Produkte falsch.
Genau deshalb gehört für mich die Arbeit an den Daten vor die Anbindung. Ein Lieferant, ein Standort, ein Material und eine Charge sind unterschiedliche Bezugspunkte. Dein Team muss festlegen, welchen davon ein Nachweis tatsächlich abdeckt.
Dafür würde ich einen Produktbereich auswählen und Einkauf, Qualitätsmanagement und IT zusammenbringen. Als erste Arbeitsgrundlage reicht eine Übersicht:
- Welcher Nachweis liegt vor, und wer hat ihn ausgestellt?
- Für welchen Lieferanten, Standort oder Produktbezug gilt er?
- Wie lange ist er gültig, und welchen Prüfstatus hat er?
- Welches System führt die verbindlichen Angaben?
- Wer prüft, gibt frei und fordert Aktualisierungen an?
Dabei kannst du doppelte Lieferantenkennungen, widersprüchliche Zuordnungen und überholte Dokumentstände bereinigen. Fehlende Informationen bleiben sichtbar. Sie sollten beim Import nicht durch unbelegte Annahmen ergänzt werden.
Du musst dafür nicht den gesamten Datenbestand aufräumen. Ein kleiner, vollständiger Ablauf zeigt bereits, welche Informationen fehlen und wo jemand entscheiden muss. Datenverfügbarkeit, verlässliche Angaben und die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette gehören zu den bekannten Herausforderungen bei DPP-Vorhaben. Den Aufwand dafür würde ich von Anfang an einplanen. (DPP-Anwendungsfälle und Umsetzungsfragen)
Was dein Unternehmen selbst unter Kontrolle behalten sollte
Mit Kontrolle meine ich, dass dein Team den Ablauf versteht und verändern kann. Es sollte nachvollziehen können, woher eine Information stammt, wer sie freigegeben hat und welche Empfänger sie bekommen.
Dazu gehören für mich ein passendes Datenmodell, eine nachvollziehbare Versionshistorie, abgestufte Zugriffsrechte und Schnittstellen zu den vorhandenen Systemen. Zu jeder dieser Funktionen gehört ein Test mit eigenen Daten.
| Bereich | Was ich vor dem Kauf prüfen würde |
|---|---|
| Datenmodell | Kann dein Team benötigte Felder und Zuordnungen selbst anpassen? |
| Freigaben | Bleiben Zuständigkeiten, Entscheidungen und frühere Datenstände nachvollziehbar? |
| Lieferanten | Können sie Nachweise einreichen und erneuern, und erkennt dein Team ausstehende Antworten? |
| Weitergabe | Kannst du Empfänger, Datenumfang und Berechtigungen festlegen? |
| Anbieterwechsel | Lassen sich Dokumente, Metadaten, Verknüpfungen und Verlauf nutzbar exportieren? |
Lass dir auch erklären, welche Anpassungen dein Team selbst übernehmen kann und wofür es Unterstützung des Anbieters braucht. Davon hängen der laufende Aufwand und ein Teil der Kosten ab.
Beim Export reicht mir eine heruntergeladene Datei als Nachweis noch nicht. Ich möchte prüfen können, ob Dokumente und Datensätze außerhalb der Plattform wieder zusammenfinden. Sonst ist die Wechselmöglichkeit technisch vorhanden, ihre praktische Nutzbarkeit aber ungeklärt.
Technisch prüfbar und fachlich passend auseinanderhalten
Beim Austausch zwischen Unternehmen können kryptografisch prüfbare Nachweise hilfreich sein. Dabei ist wichtig, was genau geprüft wird. Eine überprüfbare Signatur beantwortet eine andere Frage als die Zuordnung zu einem Produkt. Auch der W3C-Standard für Verifiable Credentials unterscheidet zwischen Verifizierbarkeit und Wahrheit der enthaltenen Aussagen.
Für deinen Ablauf brauchst du deshalb klare Regeln: Welche Aussteller akzeptierst du? Wer beurteilt den Geltungsbereich? Wie erfährt dein Team von einem Widerruf? Was geschieht, wenn eine Aktualisierung ausbleibt?
Ob ein solcher Fall eine Rückfrage, eine neue Prüfung oder eine Sperre auslöst, muss fachlich entschieden werden. Die Software soll diese Entscheidung nachvollziehbar unterstützen. Welche Nachweise rechtlich erforderlich sind und wie sie bewertet werden müssen, klärt dein Unternehmen für seine Produkte gesondert.
Ich würde außerdem festhalten, wer eine Ausnahme freigeben darf und wie diese Entscheidung dokumentiert wird. Sonst bleibt bei der nächsten Prüfung offen, warum ein Nachweis trotz einer ungeklärten Angabe verwendet wurde.
Gib den Anbietern einen vollständigen Ablauf
Mit dieser Vorbereitung kannst du Kandidaten gezielt auswählen. Für eine erste Richtung würde ich VERA von Spherity bei Fragen zu kryptografisch prüfbaren Nachweisen und greenable bei der strukturierten Datenverwaltung näher ansehen. Weitere Kandidaten lassen sich über eine DPP-Marktübersicht zusammenstellen.
Das ist keine Rangfolge. Anbieter beschreiben verständlicherweise die Stärken ihrer eigenen Lösung. Veröffentlichte Funktionsbeschreibungen und einzelne Nutzerbewertungen reichen mir für einen belastbaren Testsieger nicht aus. Die genannten Produkte habe ich dafür nicht selbst getestet.
Gib den Kandidaten dieselben freigegebenen Beispieldaten: einen gültigen, einen abgelaufenen und einen widerrufenen Nachweis, eine falsche Zuordnung und eine aktualisierte Fassung. Lass den gesamten Weg durchspielen: Eingang, Prüfung, Freigabe, Weitergabe und Export.
Prüfe dabei auch, was schon in vorhandenen Systemen geschieht. Wenn das Qualitätsmanagement einen Nachweis bereits freigibt, muss klar sein, wie dieser Status in den Produktpass gelangt und was bei einer Änderung passiert. Eine zweite, unabhängig gepflegte Freigabe würde zusätzlichen Abstimmungsbedarf schaffen.
Nach dem Test solltest du benennen können, was automatisch funktioniert, wo Menschen entscheiden und welche Arbeit dauerhaft bleibt. Vergleiche deshalb neben den Lizenzpreisen auch Datenbereinigung, Integration, Schulung und laufende Pflege. Das Ergebnis ist eine begründete Vorauswahl mit offenen Punkten, die du vor einer Investition klären kannst.
Was vor der Schnittstelle geklärt sein muss
Meine Arbeit an FluentAAS liegt bei der technischen Datenmodellierung. Mit der Bibliothek lassen sich Modelle für die Asset Administration Shell in C# erstellen, validieren und ausgeben. Ob ein fachlicher Nachweis stimmt und verwendet werden darf, braucht zusätzliche Prüfungen.
An dieser Verbindung zwischen vorhandenen Daten, ihren Bezügen und einer nutzbaren Schnittstelle setzt auch meine technische DPP-Vorbereitung bestehender .NET-Systeme an.
Für deine Auswahl würde ich mit einem Produktbereich und einem vollständigen Nachweisprozess beginnen. Dann kannst du einem Anbieter konkret zeigen, welche Daten vorliegen, welche Entscheidungen dein Team trifft und was die Software übernehmen soll. Damit behältst du auch die Beurteilung des Ergebnisses selbst in der Hand.